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Web-Service überwacht Kinder in Social Networks – Experte: “Medienerziehung durch Eltern ist jedoch wichtigster Schutz”

Dienstag, 13. Juli 2010 von Ralf Jaeger

saferinet

New York/Wien (pte/05.07.2010/13:40) – Eltern sind oft misstrauisch, was ihre Kinder im Internet unternehmen. Der Wunsch nach Kontrolle zeigte sich bisher in Filtern, Blockern oder Zugangssperren. Zunehmend gibt es aber auch Dienste, die Tätigkeiten in Social Networks überwachen, berichtet die New York Times. Ab zehn Dollar pro Monat sammeln sie für die Eltern alle Spuren, die der Nachwuchs im öffentlich zugänglichen Web hinterlässt, kommentieren sie und bereiten sie gut lesbar vor. Die Effektivität dieser Vorgangsweise ist jedoch umstritten.

Alarm bei älteren Facebook-Freunden

Um einen Dienst wie “Safety Web”, “SocialShield” oder “MyChild” in Anspruch zu nehmen, geben die Eltern zunächst E-Mail-Adresse des Kindes und die Postanschrift der Familie an. Das Programm sucht in verschiedenen sozialen Netzwerken, wo ihr Kind angemeldet ist und registriert, was es schreibt und welche Kommentare es von anderen erhält. Möglich ist das, indem entweder das Kind selbst um die Verlinkung mit dem Account gebeten wird oder über die Verlinkung der Eltern-Accounts, falls diese als “Freunde” des Kindes gelistet sind.

Als Ergebnis listen die Dienste ausführliche die Online-Aktivitäten auf und markieren manche als sicher, andere als potenziell gefährlich. Das ist bereits dann der Fall, wenn ein Facebook-Freund deutlich älter als das Kind ist oder wenn Schlüsselbegriffe wie “töten” oder “Selbstmord” fallen. Die Nachteile: Viele Fehlalarme sind vorprogrammiert, andere Quellen wie der private E-Mail-Verkehr oder die Kommunikation über Handy bleiben links liegen und es gibt keinen Schutz vor Online-Gefahren wie etwa Cyberbulling.

Realität ist komplexer

In Europa sind derartige Dienste noch wenig verbreitet, berichtet Bernhard Jungwirth, Projektkoordinator bei Saferinternet.at . “Was Eltern eher nutzen, sind Filter, die mit Antivirus-Programmen oder im Betriebssystem mitgeliefert werden. Diese beinhalten Funktionen wie Zeitüberwachungen, Schwarz- und Weißlisten oder die Filterung von Schlüsselwörtern”, so der Experte im pressetext-Interview.

Insgesamt hält Jungwirth technische Schutzmaßnahmen für nur bedingt sinnvoll. “Bei den Jüngsten helfen sie durchaus, vor Popups mit pornografischem Inhalt oder Folgen eines Vertippens bei der Internetadresse zu schützen. Jugendliche, die es darauf auslegen, werden problematische Inhalte aber immer finden. Zudem kann der ältere Mann, vor dem gewarnt wird, auch der Onkel sein. Die Realität ist viel zu komplex für die Erfassung durch Software und es gibt keinen 100-prozentigen Schutz.” Überwachungsdienste können Eltern zudem auch in falscher Sicherheit wiegen.

Medienerziehung wichtiger als Schutzsoftware

Dennoch sind derartige Überlegungen der Eltern in den Augen des Experten ein gutes Zeichen dafür, dass sie sich für die Internet-Gewohnheiten der Kinder interessieren und sie aktiv begleiten wollen. Dieses Potenzial sei im Aufbau einer vertraulichen Beziehung mit Einsatz des Hausverstandes am besten genutzt. “Ziel sollte es sein, das Risiko des Internets verständlich zu machen und zu vermitteln, welche Spätfolgen ein unbedachtes Posten haben kann.”

(Quelle: PTE)

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Kategorie: Netzkultur, News Kommentieren »

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